Unsere besten Wünsche für das neue Jahr teilen wir mit Euch, verbunden mit der Aussicht, auch 2018 wieder gemeinsam unterwegs zu sein. Gedanklich und konkret mit den vertrauten Stationen in unserer Stadt, im buchbund und im Club der Polnischen Versager.

Zum Ende des vergangenen Jahres (es war das letzte Novemberwochenende) fuhren wir ein aufregendes Wochenende lang nach Wrocław. Wir waren im „Kulturzug“ unterwegs – oder war es eher eine „Kulturachterbahn“? – so wie Joanna es formulierte, nachdem wir aus Wrocław zurückgekehrt waren.

Jedenfalls thematisierten wir unser Dazwischen selten so intensiv wie auf dieser Reise. Aufbrüche, Reisen, über Grenzen hinaus gehen – „wir unterwegs“ scheint uns ein gutes Motto auch für 2018 zu sein.

Unterwegs las Emilia Smechowski aus ihrem Buch „Wir Strebermigranten“. Katharina moderierte; sie stellte u.a. die Frage, ob es ums Schließen eines Kreises ginge oder um eine neue Art, mit Migration umzugehen. Der Tenor war deutlich: Wir freuen uns, dass es weitergeht. Und falls sich jemand wundert, ob dass mit der Migration denn nie aufhöre, wird uns das nicht irritieren. Wir sind froh, zwischen den Städten, so wie am Wochenende zwischen Berlin und Wroclaw unterwegs zu sein, viel miteinander zu sprechen, diesmal ganz viel auf polnisch, Geschichten zu teilen – und: zu feiern.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Reise: Verbindungen sind immer doch möglich, gerade auch wenn Menschen und ihre Vorstellungen nicht zusammen zu passen scheinen. So standen wir am Samstagabend vor der Kulisse einer deutsch-polnischen Freundschaftsparty, die uns ungläubig blicken ließ: ein Fahnenbanner, eine gesetzte Runde, die Bemühung, Andrzejki zu vermitteln; eine Gesellschaft, die einen Kulturtransfer erwartete, oder abwartete, weil er im Programm stand? Wir verstanden nicht recht – war das die Gegenwart? Nach ersten Fluchtreflexgedanken ließen wir uns auf diesen schrägen Abend im Hotel Europejski ein. Petra rief aus: „wir befahren jetzt neue deutsch-polnische Schienen”. Zusammen mit Ceyhun begeisterte sie nicht nur uns mit ihrer einfühlsamen Musik. Es regte sich etwas im Publikum. Es folgten Begegnungen. Und später tanzten wir. Petra ließ keinen Zweifel daran, dass es sich um den “ungewöhnlichsten deutsch-polnische Abend” handelte, den sie erlebt habe.

Ein vielleicht schönstes persönliches Erlebnis während der Party am Abend war der wunderlich-fragende Ausruf des DJs Tomek: “skąd wy ogóle jesteście?!” Wir verstanden uns prächtig mit ihm. Dabei entging es ihm nicht, dass wir weder als Polen noch als Deutsche feierten. Wir waren sicherlich beides, vor allem aber verstanden wir es, miteinander anzustossen und gute Laune zu entwickeln. Aus welchen Orten kämen wir, was habe uns hierher verschlagen? Irgendetwas sei an uns leicht seltsam, nicht exotisch, nicht einzuordnen, schön schräg, wenn auch nur leicht. In diesem Moment war es deutlich spürbar: unser wir.

K.B.

 

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Fotos: A Sz

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