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Zum Auftakt unserer neuen Reihe „kawa po…“ trafen wir uns Anfang Februar im BONA KOLLEKTIV in Berlin Neukölln. Das kleine, durchgestylte Lokal betreiben vier junge WahlberlinerInnen aus Polen und Italien, die ihren Job im Architekturbüro dafür aufgegeben haben. Die besondere Inneneinrichtung – von der Decke hängt Getreide, die Holztheke und die Regale sind selbstgebaut – lässt auf den ersten Blick erkennen, dass sie ihre alte Leidenschaft mitgebracht haben. In diesem Lokal stecken dennoch nicht in erster Linie Design und Konzept, sondern vor allem auch eine Herzlichkeit und gute Laune, die ansteckt. Die polnisch-italienische Verbindung kennen wir bereits aus einem unserer liebsten Cafés in Neukölln: Katulki. Polnisch-italienisch: eine nicht nur kulinarisch großartige Mischung, wie wir finden, sie strahlt auch im BONA Lebensfreude aus.

Während wir Köstlichkeiten probieren, nimmt unser Austausch Fahrt auf, wir schwelgen bereits vor Genuss und Input, als sich Magda hinzugesellt. Magda ist in einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Warschau geboren und groß geworden. Sie ist, anders als wir, im erwachsenen Alter nach Berlin gekommen. In wenigen Pinselstrichen porträtiert sie ihre Version, weshalb sie sich den Blickweisen der zweiten Generation verbunden fühle: Sie habe Piotrek geheiratet, ihre Sommerferienliebe. Er kam Jahr für Jahr in Magdas Ort – so wie auch wir damals Jahr für Jahr die Ferien an den Orten verbrachten, die unsere Eltern verlassen hatten und nach denen sie sich zurücksehnten. Magdas Liebesgeschichte, wie nebenbei erzählt, löste Erinnerungen an unsere eigenen wakacyjne milości aus, die wir uns noch Tage später per Email erzählten:

Ich erinnere mich an einen Abend, schon wieder in Deutschland nach einem Sommer in Polen. Mit dem Handy in der Hand und vier Langenscheidt Wörterbüchern um mich herum ausgebreitet tippte ich meine erste SMS auf … Polnisch. Damals als Teenie war mir die polnische Grammatik fremd und ich hatte absolut kein Gefühl für Endungen. „ą ę“ existierten nicht in meinem Wortschatz. Ich schrieb genauso wie ich sprach … auf Schlesisch. Meine Ferienliebe kam jedoch aus Kleinpolen und sprach kein Schlesisch, deshalb wollte ich alles richtig machen und beweisen, dass ich meine Muttersprache noch beherrschte.

Ich habe 2 Stunden für 160 Zeichen gebraucht. Was dabei raus kam ist beschämend und lustig zu gleich:

„Część Karol….“

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 Da denke ich gleich an meinen ersten Kuss an der polnischen Ostsee im Sommer 1992/93. Mit Michał… so ein blonder Junge, 16 Jahre, braun von der Sonne (…)

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Wir waren regelmäßig bei meinem Großonkel und seinen Töchtern auf dem Land. Das waren so ULTRA-Dörfer in einer total strukturschwachen Gegend in der Nähe der Ukraine. Die wohnten – total absurd – im einzigen Block, den das Dorf hatte, der ziemlich runter gekommen und wie ein Ufo auf einem Berg gebaut war. Drum herum waren nur Feld und Bauernhöfe. Jeder kannte jeden und da hatten wir tolle Nachmittage und Abende bei Lagerfeuer, Zelten auf dem Hof, zwischen Tieren und Gärten, immer nur draußen … und irgendwann auch auf den Dorfpartys. Ich erinnere mich an lange Fußmärsche die Hauptstraße entlang in den nächsten Ort, wo die Dorfdisco stattfand und an meinen ersten eng umschlungenen Tanz mit einem Jungen nach einem Bier mit Sirup. In Deutschland war das enge Tanzen von Jungen und Mädchen ja total unüblich und ich weiß noch wie aufgeregt und peinlich berührt ich war.

Auf der Rückseite des Menüs vom BONA KOLLEKTIV ist folgende Liebes- oder Inspirationsgeschichte zu lesen:

„Königin Bona Sforza (1494 – 1557) stammte aus Italien und heiratete den polnischen König Zygmunt I. im Jahr 1518. Nach ihrer Ankunft in Krakau wurde Bona zur Königin Polens gekrönt. Sie hat versucht den Polen die italienische Küche zu erklären und brachte viele neue Traditionen in die polnische Esskultur ein.“

Aus unserer Sicht muss über das BONA nichts weiter erklärt werden, sondern einfach nur probiert, kulinarisch lohnt es sich unbedingt. Und wenn dann an diesem Ort Geschichten erzählt werden, wetten wir darauf, dass sie perfekt in die Jahreszeit passen – uns haben sie das Herz erwärmt.

Mit der Reihe „kawa po …“ gehen wir jeden Monat auf eine kleine Entdeckungstour durch unsere Stadt. Wir nehmen uns einen Kaffee lang Zeit und schauen, welches Gespräch sich ergibt.

Mal sehen zu welchem Thema uns das nächste Treffen am 4. März führt.

Der Treffpunkt ist um 16 Uhr im OstPost Café in der Choriner Straße 84, Berlin-Mitte.

Wir freuen uns auf Euch!

 

 

 

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